Kunst-Ausstellung im benild-hospiz — 3. Dezember 2019

Kunst-Ausstellung im benild-hospiz

15.11.2019 – für meine Familie ein ganz besonderer Tag. An diesem Abend fand die erste Vernissage meiner Mutter statt. Als Ort für ihre erste Ausstellung hat sie das benild-hospiz in Illertissen gewählt. Für viele mag das im ersten Moment vielleicht befremdlich wirken. Eine Kunst-Ausstellung und ein Abend der Freude an einem Ort des Abschied nehmens, wo der Tod, den man sonst gerne verdrängt, so nah ist?

Beschäftigt man sich aber mit dem Thema der Ausstellung – Alles war, alles ist, alles wird sein – und wie meine Mutter zur Mal- und Kunsttherapie gekommen ist wird klar, es hätte keinen passenderen Ort geben können. Und auch wenn der Tod im Hospiz immer allgegenwärtig ist, so ist es auch ein Ort des Friedens an dem man das Leben und jeden einzelnen Tag davon bewusst wahrnimmt und lebt.

An dem Abend der Vernissage waren alle Interessierten eingeladen eine Auswahl der Arbeiten der letzten zweieinhalb Jahre kennen zu lernen. Die ausgestellten Bilder sind auch Bestandteil ihrer Ausbildung zur Kunsttherapeutin. Der Abend wurde mit „Veras Lebensmusik“, einer Live-Komposition von Otto Lichtner, und einem Gedicht meiner Schwester Patrizia eröffnet. Nach ein paar persönlichen Worten von meiner Mutter, dem Hospiz-Leiter Andreas Lazarek und ihrem Ausbilder Jens Drescher, erhielten die Gäste noch einen Überblick über die verschiedenen Bilder und Techniken. Sie alle sind auf Leinwand gemalt, mit Farbpigmenten und Gewürzen gestaltet oder mit Gold, Kupfer und Eisen bearbeitet. Im Anschluss hatten die Gäste Gelegenheit sich die Bilder in Ruhe anzusehen, sie auf sich wirken zu lassen und sich bei einem kleinen Umtrunk und leckeren Häppchen darüber auszutauschen.

Mein Lieblingsbild: „Vertrauen“
Dezember 2017 / Rahmen: 1,25 m x 40 cm / Preis: 620 €

Für meine Mutter war es ein sehr besonderer, emotionaler und gelungener Abend, denn die Reaktionen der Gäste waren so positiv und herzlich und haben sie darin bestärkt ihre Arbeit und ihren Weg weiter zu gehen. Der Abend hat auch dazu beigetragen Ängste und Hemmungen gegenüber dem Ort „Hospiz“ und den Themen Tod und Trauer abzubauen.

Reaktion einer Ausstellungsbesucherin:

„Unglaublich, wie viel Dynamik in einigen Bildern steckt. Dann strahlen manche wieder eher Ruhe aus. Meine persönlichen Favoriten: Die Kupfer-Serie.“

Die Ausstellung bleibt bis 31.05.2020 geöffnet und kann nach vorheriger Anmeldung im Hospiz besichtigt werden. Einige der Bilder stehen auch zum Verkauf.

Hinweis: Aufgrund der aktuellen Gesundheitslage ist eine Besichtigung momentan leider nicht möglich.

Vera — 1. November 2019

Vera

Ich bin Vera Heinzelmann

Während meiner Arbeit als Erzieherin im Kindergarten lag mir die Kreativität der Kinder immer sehr am Herzen. Das eigene schöpferische Tun mit verschiedenen Materialien nahm in meiner Erziehungsarbeit viel Raum ein.

Ob rot, gelb, grün oder blau, Farben haben schon immer eine Faszination auf mich ausgeübt. Gerne habe ich mit Aquarellfarben verschiedene Techniken ausprobiert. Diese Farben waren auch stets auf Urlaubsreisen mit dabei, um schöne Momente festzuhalten. Später habe ich mich mit der Kalligraphie und verschiedenen Schriften befasst.

2014 lernte ich das freie Malen kennen. Ich erfuhr zum ersten Mal, dass Malen auch mehr sein kann. Wir sollten einfach malen, was unsere Seele uns sagt. Die Kursleiterin sagte: „Deine Seele weiß, was du malen sollst.“ An diesen Nachmittagen spürte ich die Freiheit im künstlerischen Schaffen. Hier reifte der Wunsch in mir, eine Ausbildung zur Kunst- und Maltherapeutin zu machen.

Wirklich in die Tat umgesetzt habe ich meinen Wunsch aber erst einige Jahre später, nachdem mein Mann 2016 an Krebs starb und ich für mich nach einem Weg gesucht habe, meine Trauer zu verarbeiten. So kam es, dass ich 2017 in Ulm im Atelier für Kunst und Kommunikation bei Jens Drescher diese Ausbildung begonnen habe.

In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich mich intensiv mit dem Thema Trauer beschäftigt. Viele meiner Bilder haben mir geholfen, Zusammenhänge in meinem Leben zu verstehen und zu verarbeiten.
Aktuell schreibe ich an meiner Seminararbeit.

Meine Töchter haben mich ermutigt, diesen Weg zu gehen. Die Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Materialien und der bunten Welt der Farben, das eigene schöpferische Tun und die Freude an kreativer Arbeit möchte ich gerne mit anderen teilen – sei es, um Orientierung im Leben zu finden oder einfach um Spaß an künstlerischer Tätigkeit zu haben und gemeinsam mit anderen der Leidenschaft des Malens nach zu gehen.

Wir haben jeden Tag die Chance neu zu beginnen und etwas in unserem Leben zu verändern.