Jeden Tag überlege ich mir, was ich an diesem Tag geliebt habe, und schreibe einen Satz auf die Leinwand in rot, grün oder weiß.
Ich habe es heute geliebt, an der Iller spazieren zu gehen. Heute habe ich den Wind auf meinem Gesicht geliebt. Ich habe es heute geliebt …
So entsteht am Ende eine neue Komposition.
Ich liebe. Die Liebe sagt: Du bist wertvoll. Liebe schenkt uns einen Ort, an dem wir zuhause sind. Liebe ist ein Besitz, den wir großzügig verschenken dürfen. Die Liebe ist eine Quelle in uns, die nie versiegt. Die Liebe kennt keine Grenzen. Die Liebe – unser wertvollster Schatz. Sie schenkt uns: Geborgenheit Sicherheit Schutz Vertrauen Mut Freiheit Frieden
Ein wichtiges Thema während meiner Ausbildung war die Auseinandersetzung mit dem Tod. Für mich persönlich war es ein Weg, mich mit dem Tod meines Mannes auseinanderzusetzen.
Wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, können wir zu uns selbst finden. Wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, lernen wir zu verstehen, wer wir sind. Wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, sind wir geborgen in der Natur und dem Universum. Wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, sind wir offen für Veränderungen. Wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, erhalten wir manche persönliche Botschaft. Wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, kommen wir mit schwierigen Situationen besser zurecht. Wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, erhalten wir Einsicht in das Zusammenspiel der Kräfte. Wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, beschäftigen wir uns auch mit dem Leben. Wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen, wird uns wieder bewusst, was wirklich zählt im Leben.
Das Leben selbst ist eine Überraschung. Jede Minute, Stunde, jeder Tag, jeder Monat, jedes Jahr ist neu und gibt uns die Chance, neu anzufangen. Auch wenn die Wissenschaft heute viel erklären kann, so hat das Leben noch manches Geheimnis, das die Menschen nicht entschlüsselt haben. Im Leben eines jeden Menschen gibt es Momente, die ganz besonders sind. Wir lassen uns jeden Tag neu auf das Leben ein, weil es für uns wertvoll ist. Können wir uns im Leben auf den Klang des Todes einlassen? Ist er auch für uns wertvoll? Ich denke, wir sollten ihm eine Chance geben und von Zeit zu Zeit auf ihn hören. Dann zeigt uns der Tod auch seine andere Seite. Die Auseinandersetzung mit dem Sterben ist eine Aufgabe, mit der sich jeder für sich selbst befassen muss. Das kann kein anderer Mensch für uns übernehmen. Nur, wenn wir uns mit unserem eigenen Tod auseinandersetzen, können wir Menschen im Sterbeprozess begleiten und für sie da sein, wenn die Reise des Lebens endet. Auch wenn ich oft an meine Grenzen gestoßen bin, hat mir diese Arbeit ein Stück Freiheit und Frieden geschenkt.
Nun bin ich seit Dezember 2020 Kunsttherapeutin (SHB) und ich freue mich darauf, meine Erfahrungen und mein Wissen weiterzugeben.
Der Mondzyklus im Zeichen des Wandels Im Unterricht stellte uns Jens Drescher die Aufgabe der Kontinuitätsübung vor. Die Aufgabe ist, 30 Tage lang etwas Positives über ein bestimmtes Thema zu schreiben und zu malen. Kontinuitätsübungen sind eine Art Meditation. Sie sind eine kleine Auszeit im Alltag und helfen uns, aus Hektik und Stress auszubrechen. Unsere Gedanken werden fokussiert und neu ausgerichtet. Wir können Energie tanken, zur Ruhe kommen und unsere Aufgaben gelassener bewältigen. Wir kommen wieder zu uns selbst. Im Februar möchte die Saat aufbrechen, sie möchte sprießen. Mit Grün stärken wir unsere Immunkräfte. Jeden Tag schauen wir in der Natur nach dem Grün des Tages. Was will mir dieses Grün sagen? Ich schreibe es auf und male dazu ein kleines Bild.
1. Den Frühling begrüßen: Ich entdecke das erste Schneeglöckchen
2. Dem Grün begegnen: Die Sonne lässt das Moos strahlen
3. Die Kommunikation der Grashalme
4. Den Boden bereiten: Grün durchdringt die Erde
5. Einer von vielen
6. Das Spiel von Hell und Dunkel
7. Liebe Gruße von Herrn und Frau Hauswurz
8. Die Brennnessel
9. Weiß deckt Grün zu
10. Grün – das Experiment
11. Die Stimmung
12. Leo Lionni: Das kleine Blau und das kleine Gelb
In diesem Bild vereinen sich Farbe, Duft und Form. Bienenwachs, Myrrhe, Weihrauch – die Materialien sprechen für sich. Das Wort „Sehnsucht“ mit Bienenwachs geschrieben steht für das leuchtende Wort in dieser Zeit.
Myrrhe steht für ein ideales Handeln, für den Gesang und für das, was in mir in Übereinstimmung ist. Weihrauch heißt durch den Rauch sprechen und steht für das blühende Denken.
Sehnsucht Wir alle tragen eine Sehnsucht in uns. Was verbinden wir mit diesem Begriff? Welches Gefühl ist in uns, wenn wir an das Wort Sehnsucht denken? Die Sehnsucht fordert uns auf, aktiv zu werden. Die Sehnsucht sucht den Weg, wie es für uns weiter geht. Die Sehnsucht leitet den Wandel ein.
Das neue Bewusstsein: Wir sind Teil der Schöpfung. Wir sind Teil des großen Ganzen. Jeder einzelne von ist gefragt. Wir müssen lernen wieder zu sehen, was wir wirklich brauchen. Sehen wir vor lauter Angst, Sorge und Unsicherheit noch das Wunder des Menschseins? Hören wir auf den Klang und die Schönheit des Universums, dann spüren wir die Kraft, die uns trägt.
Verliebe dich jeden Tag neu in das Wunder, das du bist.
Wunder In mir In dir In der Welt Das Wunder in allem
In unserem Leben gibt es eine dunkle und helle Seite. Die dunkle Seite fragt nach unseren Motiven und danach, was wir getan haben. Der helle Teil fordert uns auf, das neue Land zu betreten.
Zunächst habe ich in dem Bild Schwarz und Weiß gleichzeitig gestaltet. Es entsteht eine Zwielicht-Zone. Die Verbindung zwischen Schwarz und Weiß ist das Grün. Grün steht für die Lebenskraft. Was soll durch mich blühen? Blühen ist die Sehnsucht der Seele. Die Blüte in Purpur steht für die Vision im Kommenden. Für mich bedeutet das: Meine Ausbildung zur Kunst-und Maltherapeutin ist zu Ende. Welcher Schritt ist nun mein nächster? Gold besiegelt das, was ich getan habe und was ich tun werde.
Handle ich aus mir selbst heraus, erlebe ich die Welt als Wunder und erahne das Wunder, das in mir lebt.
Im Schwarz geborgen das Geheimnis
Im Weiß das neue Land betreten die Geburt
Im Grün die Kraft zu leben und zu wachsen Selbst zu sein
Das Corona-Virus wirbelt unser aller Leben durcheinander. Wir leben in einer Zeit der Angst und Verunsicherung. Unser Alltag wird bestimmt von Regeln und Einschränkungen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns auf uns selbst besinnen und auf unsere innere Stimme hören. Diese Zeit fordert uns auf innezuhalten und in Einklang mit uns kommen.
In diesem Zusammenhang entstand das Bild „Die Rose von Jericho“ (Rahmengröße: 90 cm x 80 cm). Die Rose von Jericho ist eine Wüstenpflanze und wirkt zunächst unscheinbar. Wenn wir sie aber in eine Schale mit ein wenig Wasser legen, öffnet sie sich und das, was trocken scheint, wird grün. So blüht die Rose immer wieder auf. Lassen wir sie trocknen, sieht sie anschließend aus wie ein trockenes Knäul. Die Rose braucht nicht viel zum Leben. Sie ist sehr genügsam. Wir Menschen wollen immer mehr. Doch in der Pandemie müssen wir lernen, auf Vieles, was uns wichtig ist, zu verzichten. Wir müssen trotz aller Widrigkeiten das Leben leben und seinen Zauber jeden Tag entdecken.
Der Zauber des Lebens spiegelt sich in diesem Bild wider. Die Grundierung habe ich mit Hämatit gearbeitet. Die sinnliche Wahrnehmung entstand über meine Hände, mit denen ich das Material auf das Bild aufgetragen habe. Hämatit ist das „Mut-mach-Eisen“ unserer Zeit. Anschließend habe ich Zinn mit feinen Glaskügelchen vermischt und grob mit einem Spachtel auf das Hämatit gestrichen. Zinn steht hier für die Macht im Menschen. Sandelholz und Purpur habe ich in flüssigem Zustand auf das Bild fließen lassen. Sie haben sich ihren eigenen Weg gesucht. Sandelholz schenkt uns innere Wärme. Genauso habe ich das Zentrum mit Gold, den „Zauber des Lebens“ gearbeitet.
Die Stimmung und die Harmonie dieses Bildes begleiten mich durch diese schwierige Zeit und erinnern mich daran, mir selbst, meinem Wesen treu zu bleiben.
Bei den Vorbereitungen zu meiner ersten Ausstellung im benild-Hospiz in Illertissen entstand im Gespräch mit dem Hospizleiter die Idee ein Malprojekt anzubieten, um Menschen die Möglichkeit zu bieten, selbst einmal Erfahrungen mit den verschiedenen Materialien zu machen.
Ich entschloss mich, im neuen Jahr damit zu beginnen. Am Jahresanfang will man immer etwas verändern, setzt sich neue Ziele, die aber dann nach ein paar Wochen vergessen sind und bis zum nächsten Jahr wieder in einer Schublade verschwinden.
So war das Thema des Projekts: Neuanfang Teilnehmer waren Mitarbeiterinnen des Hospiz in Illertissen und der Hospizleiter. Der Text „Gift of Love“ war der Einstieg in das Thema.
Am ersten Abend haben die Teilnehmer einen Rahmen mit Holzleisten gebaut, ihn mit Gewebe „Loire“ bezogen und eine Grundierung mit Ingwer aufgetragen. Danach konnten sie zwischen verschiedenen Weißtönen wie Marmormehl, Champagnerkreide oder Titanweiß wählen. Weitere Gestaltungsmaterialien waren Bergkristall, Rosenquarz und Glimmer. Am zweiten Abend haben sich die Teilnehmer über ihre Bilder ausgetauscht und anschließend Veränderungen vorgenommen und es fertiggestellt. Ein besonderer Höhepunkt des Bildes stellte die Zentrierung mit Blattgold dar. Mit der Zentrierung gibt man sich einen Platz im Bild. Das Gold steht für „ich bin“.
Alle Teilnehmer waren frei in der Auswahl des Materials, der Werkzeuge und der Gestaltung. Jeder hat konzentriert und mit Freude an seinem Bild gearbeitet. Es entstand eine wohltuende Ruhe. Die sinnliche Wahrnehmung stand bei allem Tun im Vordergrund. Es entstanden individuelle Bilder, jedes mit einer eigenen Aussagekraft.
Den Rat, den ich am Ende des Abends gegeben habe: „Vielleicht findet ihr zu Hause etwas, dass ihr in euer Bild einfügen möchtet. Ihr könnt einen kleinen Text schreiben oder ihr findet ein Zitat zu eurem Bild. Ihr werdet in dem Moment wissen, was zu eurem Bild passt.“
Am Ende des Abends ging jeder mit einem guten Gefühl, einer inneren Ruhe und großer Zufriedenheit mit dem, was er geschaffen hatte, nach Hause – so das Feedback aller Teilnehmer.
Alles war, alles ist, alles wird sein – Das war das Motto meiner ersten Ausstellung im Jahr 2019, welche im Rahmen der Hochschul-Zertifizierung als Kunsttherapeutin (SHB) im benild-hospiz in Illertissen stattfand.
Alles war
2016 starb mein Mann an Krebs. Mir war es wichtig ihm in dieser Ausstellung noch einmal zu danken für die gemeinsame Zeit, die wir hatten.
Alles ist
2017 begann ich meine Ausbildung zur Kunst- und Maltherapeutin. Im Atelier von Jens Drescher für Kunst und Kommunikation in Ulm begann ein neuer Weg für mich. Es war ein erster großer Schritt in eine mir noch fremde Welt.
Zu Beginn des Unterrichts vermittelt uns Jens immer den theoretischen Hintergrund des jeweiligen Themas. Wir bekommen Aufgaben für unsere eigene Biographiearbeit, Wissen aus der Psychologie, Pädagogik, Medizin, der griechischen Mythologie, der Farbenlehre und vieles mehr. Auch tauschen wir uns über aktuelle, gesellschaftliche Probleme aus. Kommunikation steht hier für einen liebevollen Umgang miteinander, für echte Gespräche. Dieses Miteinander und der Austausch im Unterricht sind für mich sehr wertvoll.
Durch die kreative Arbeit fand ich nach langer Zeit einen Raum, in dem ich „sein“ durfte, einen Raum um mich selbst zu finden und zu entfalten. Das Material selbst hat eine hohe Weisheit. Du arbeitest mit dem Material und das Material arbeitet mit dir. Jedes Bild hat eine eigene Wahrheit und erzählt eine eigene Geschichte. Jedes Bild ist eine Herausforderung, wo es gilt Hindernisse zu überwinden. Viele meiner Bilder beinhalten Botschaften oder zeigen mir ein Thema in meiner Biographie, an dem ich arbeiten kann. Wir müssen lernen unsere Bilder zu verstehen. Dann können sie uns Hilfe sein, manches klarer zu sehen, etwas zu hinterfragen. Wenn wir das verstanden haben, können wir in unserem Leben etwas verändern.
Für Menschen, die wie ich eine tiefe Trauer oder einen großen Schmerz erfahren haben, ist das sehr wichtig.
Alles wird sein
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – alles ist miteinander verbunden.
Viele Menschen waren nach der Ausstellung tief berührt von meinen Bildern. In Gesprächen haben sie mir Mut gemacht auf diesem neuen Weg zu bleiben.
So wurde die Vernissage am 15.11.2019 für mich zu einem einzigartigen Geschenk.
Nach dem Abschluss meiner Ausbildung sehe ich meinen Schwerpunkt in der Trauerarbeit, da ich mich während der Ausbildung sehr intensiv mit dem Thema Sterben und dem Tod beschäftigt habe. Die Welt der Farben, Gewürze, Steine und vieles mehr ermöglichen uns vielfältige Erfahrungen zu machen.
Während meiner Arbeit als Erzieherin im Kindergarten lag mir die Kreativität der Kinder immer sehr am Herzen. Das eigene schöpferische Tun mit verschiedenen Materialien nahm in meiner Erziehungsarbeit viel Raum ein.
Ob rot, gelb, grün oder blau, Farben haben schon immer eine Faszination auf mich ausgeübt. Gerne habe ich mit Aquarellfarben verschiedene Techniken ausprobiert. Diese Farben waren auch stets auf Urlaubsreisen mit dabei, um schöne Momente festzuhalten. Später habe ich mich mit der Kalligraphie und verschiedenen Schriften befasst.
2014 lernte ich das freie Malen kennen. Ich erfuhr zum ersten Mal, dass Malen auch mehr sein kann. Wir sollten einfach malen, was unsere Seele uns sagt. Die Kursleiterin sagte: „Deine Seele weiß, was du malen sollst.“ An diesen Nachmittagen spürte ich die Freiheit im künstlerischen Schaffen. Hier reifte der Wunsch in mir, eine Ausbildung zur Kunst- und Maltherapeutin zu machen.
Wirklich in die Tat umgesetzt habe ich meinen Wunsch aber erst einige Jahre später, nachdem mein Mann 2016 an Krebs starb und ich für mich nach einem Weg gesucht habe, meine Trauer zu verarbeiten. So kam es, dass ich 2017 in Ulm im Atelier für Kunst und Kommunikation bei Jens Drescher diese Ausbildung begonnen habe.
In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich mich intensiv mit dem Thema Trauer beschäftigt. Viele meiner Bilder haben mir geholfen, Zusammenhänge in meinem Leben zu verstehen und zu verarbeiten. Aktuell schreibe ich an meiner Seminararbeit.
Meine Töchter haben mich ermutigt, diesen Weg zu gehen. Die Erfahrungen im Umgang mit verschiedenen Materialien und der bunten Welt der Farben, das eigene schöpferische Tun und die Freude an kreativer Arbeit möchte ich gerne mit anderen teilen – sei es, um Orientierung im Leben zu finden oder einfach um Spaß an künstlerischer Tätigkeit zu haben und gemeinsam mit anderen der Leidenschaft des Malens nach zu gehen.
Wir haben jeden Tag die Chance neu zu beginnen und etwas in unserem Leben zu verändern.